Die Gründung der Liechtensteinischen Bergrettung von Noldi Frommelt
Die Renovation der Pfälzerhütte, die der neugegründete Liechtensteiner Alpenverein gekauft hat, wurde zu einem grossen Teil durch freiwillige Arbeit ausgeführt. So waren wir einen vollen Sommer jeden Sonntag auf der Pfälzerhütte im Einsatz und dabei entstanden starke Bergkameradschaften. Nach der Renovation verbrachten wir unsere spärliche Freizeit in den Bergen. Während dem 2. Weltkrieg waren für uns Touren ins Nachbarland Österreich unmöglich, was sich zu unserer grossen Erleichterung geändert hat. Obwohl unsere Mobilität auf das Fahrrad, den Zug oder Omnibus beschränkt war, ergaben sich für uns neue Möglichkeiten. Die Nachwirkungen des Krieges und die damit verbundenen Probleme waren noch sichtbar, dennoch herrschte Aufbruchstimmung und auf Touren und Berghütten war Hochbetrieb.
Vor allem war es aber auch unser Bergfreund Stefan Wachter, der uns schon für die Freiwilligenarbeit auf der Pfälzerhütte begeisterte und uns mit seiner Erfahrung und fröhlichen Geselligkeit viel gab. Lieber „Stöffa“ dafür sind wir Dir heute noch dankbar. So kam es, dass wir 1952 den ersten Kletterkurs auf der Pfälzerhütte durchführten und zudem waren wir an einer Rettungsübung von Samariter und Bergsteiger im Buchser Malbun.
Beeindruckt durch die Lawinenkatastrophen im Walsertal und Montafon, wo wir im Einsatz waren, sowie durch die verschiedenen Meldungen über Bergunfälle zeigten uns deutlich, was auch bei uns passieren könnte. Es bildete sich eine Gruppe, die sich immer mehr mit der Rettungsaufgaben auseinandersetzte.
Wir waren am 11. August 1953 dabei, mit dem Samariterverein eine gemeinsame Übung vorzubereiten, als uns die Nachricht erreichte, dass der junge Arnold Gassner am Hahnenspiel gegen Valüna abgestürzt sei.
Wir bildeten sofort eine Gruppe und fuhren mit Kletterseil und einigen Felshaken ausgerüstet, nach der Alpe Gritsch. Im Steg ist ein Mitglied der Grenzwacht, die ebenfalls alarmiert wurde, zugestiegen.
Ich möchte hier nicht weiter auf die Suchaktion eingehen.
Wir sind bei Morgengrauen auf den Verunglückten gestossen und haben ihn auf einer Bare der Samariter zur Valünastrasse gebracht. Hier warteten der Vater, Arzt, Samariter und die Polizei. Doch kurz danach verschied Arnold, in der Nähe der Stelle, wo heute ein Sterbekreuz direkt am Wegrand an einer Fichte befestigt ist.
Dieser tragische Bergunfall hat uns alle tief getroffen, denn ein blühendes junges Leben wurde ausgelöscht. Nach meiner Ansicht, war dieser Bergunfall der letzte Anstoss, eine offizielle Bergrettung als Untergruppe des Alpenvereins zu gründen. Ein festes Gründungsdatum ist mir nicht bekannt.
Nach meinem Tourenbuch hat unser geschätzter Kaplan Martin Bamert, der oft in unserem Kreise war, am 13. Juni 1954 bei einem Gottesdienst auf der Pfälzerhütte unser persönliches Klettermaterial geweiht. Es wurde auch üblich, dass jeder von uns eine St. Bernhard Medaille trug. Nach dem Gottesdienst veranstalteten wir eine Rettungsübung.
Unsere Ausrüstung war anfangs begrenzt, zudem fehlte uns auch die technische Ausbildung. Durch Beziehungen von Mitgliedern konnten wir in Franz Bachmann aus Feldkirch einen versierten Alpinisten und Rettungsman für unsere Ausbildung gewinnen. Dadurch war es uns auch möglich, Übungen mit modernem Rettungsmaterial wie Stahlseil usw., durchzuführen, das uns von der Bergrettung Feldkirch freundschaftlich zur Verfügung gestellt wurde.
Durch persönliche Vorstellung beim damaligen Regierungschef Alexander Frick, der selber ein begeisterter Bergsteiger war, bekamen wir den nötigen Kredit zum Ankauf des erforderlichen Materials. Zu Polizeichef Josef Brunhart und seinem Nachfolger Hermann Meier hatten wir ein persönliches Verhältnis und unsere Anliegen fanden viel Verständnis. Es war auch noch die Zeit, da fast jeder mit dem vertrauten „DU“ angesprochen wurde und unser Umgang mit den Behörden war dementsprechend unbürokratisch.
Leider sind viele ehemalige Mitglieder, Bergfreunde und Gönner nicht mehr unter uns, die viel für die Belange der Bergrettung und die gute Kameradschaft beigetragen haben. Ihnen wollen wir in Dankbarkeit gedenken. Unsere Mühen und Einsätze wurden durch die guten Freundschaften und die gemeinsamen Feste, die wir feierten wie sie fielen, mehr als entschädigt. Wir alle denken gerne an die Zeit zurück.
Nach 50 Jahren Bergrettung hat sich Vieles geändert. Nicht nur die Ausrüstung, die Ausbildung, sondern auch die Gesellschaft. Doch der Grundgedanke, dem Nächsten in Not zu helfen, gilt heute wie damals.
Es ist erfreulich, wie sich aus bescheidenen Anfängen eine gut ausgebildete und auf hohem technischen Stand die heutige Bergrettung entwickelt hat. Doch das Eindrücklichste sind die vielen Bergfreunde, die sich freiwillig in den Dienst dieser Aufgaben stellen.
Uns Ehemalige erfüllt es mit Freude und gewissem Stolz, dass das Begonnene nach 50 Jahren mit voller Tatkraft weiterlebt und wir wünschen Euch bei der Ausübung der Aufgaben einen guten Schutzengel.
